MKK - Museum für Kartoffelkunst

FAZ:
(...) Der Besucher trifft auf ein veritables Museum mit rund 20 unterschiedlich dimensionierten Ausstellungsräumen, Jeder für sich ein klassischer "white cube", der zu betreten nicht möglich ist. Die Kunst, zum Greifen nah bleibt auf Distanz.
Winzige, streichholzschachtelkleine Fenster erlauben den Blick auf schwebende, unwillkürlich an Barlach denken lassende Kruzifixe, auf Masken, Köpfe oder Tierskulpturen, die Spittel mit Messer und Skalpell aus Kartoffeln herausschält. Ein derbes, nur schwer berechenbares Material, das sich nach der Bearbeitung weiter verändert, trocknet und schrumpft und sackt, bis alle Feuchtigkeit sich verflüchtigt hat.
Keiner dieser wie Guckkästen in die Wand eingelassenen Räume gleicht dem anderen, und mit jedem Blick nimmt man die Proportionen, das Verhältnis der Figur zum in je anderen Lichtverhältnissen erscheinenden Raum neu wahr.
Kaum aber glaubt der Betrachter sich zurechtzufinden, schlendert wie im Museum von einem Saal zum andern, verweilt vor einer Venus oder dem Paar auf dem Höhepunkt seiner Beziehungskrise, öffnet sich hinter einem der Fenster der eigentliche, durch die Wand verschlossene Ausstellungsraum des Atelierhauses und gibt den Blick frei auf eine den Raum, genauer: den Ort, das ganze Gebäude spiegelnde Bodenzeichnung. Und sogleich beginnt das Spiel mit Maß und Proportion von neuem.

Christoph Schütte